Stärke der Fundamentalanalyse – Binäre Optionen 2020

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Was Anleger über binäre Optionen wissen sollten

Seit Jahren erfreuen sich Finanzderivate wie binäre Optionen auch bei Kleinanlegern großer Beliebtheit. Hohe Renditeaussichten und die Transparenz des Wertpapiers sind zwei der wesentlichen Vorteile von binären Optionen. Das Finanzprodukt birgt aber auch ein hohes Risiko: prognostizieren Anleger die Entwicklung eines Kurses nicht korrekt, so ist das eingesetzte Kapital meist komplett verloren. Experten bezeichnen den Handel mit binären Optionen daher auch als Finanzwette. Ob und wie Anleger mit binären Optionen handeln sollten, zeigt der folgende Ratgeber.

Was sind binäre Optionen?

Binäre Optionen sind also Finanzderivate. Das bedeutet, dass sie keinen eigenen Wert besitzen, sondern sich an einem sogenannten Basiswert orientieren. Als Basiswert können dabei eine ganze Reihe anderer Finanzprodukte fungieren. Dazu zählen vor allem:

Anleger können dabei sowohl von fallenden als auch von steigenden Kursen des Basiswerts profitieren. So ist es beispielsweise möglich, eine Call-Option zu erstellen, bei der auf steigende Kurse gesetzt wird. Put-Optionen landen hingegen im Geld, wenn der Kurs des Basiswerts fällt. Die Rendite, die mit einer binären Option erzielt werden kann, ist bereits im Vorhinein festgelegt. Sie liegt zwischen 80 und 90 Prozent – je nach gewähltem Broker. Es ist daher irrelevant, ob sich der Kurs des Basiswerts bis zum fixen Fälligkeitszeitpunkt der binären Option um 0,01 oder 100 Prozent in die gewünschte Richtung entwickelt. Der Gewinn für den Trader bleibt gleich.

Binäre Optionen besitzen eine fixe Laufzeit. Bei herkömmlichen Optionen wird genau zum Fälligkeitszeitpunkt evaluiert, ob sich der Kurs des Basiswerts in die vom Trader prognostizierte Richtung entwickelt hat.

Der Handel mit binären Optionen – ein Beispiel

Um zu veranschauliche, wie binäre Optionen funktionieren, sei ein kurzes Beispiel erläutert. Ein Trader entschließt sich dafür, eine binäre Option auf den deutschen Leitindex Dax abzuschließen. Der Trader geht davon aus, dass sich die Kurse innerhalb der nächsten zwei Stunden positiv entwickeln werden. Entsprechend kauf er eine Call-Option. Anders als beispielsweise bei ETFs bedarf es beim Handel mit binären Optionen nur geringer Mindesthandelssummen. Je nach Broker beginnen diese bereits ab 1 Euro. Der betrachtete Anleger entscheidet sich dazu, 200 Euro in seine Position zu investieren. Es bestehen jetzt zwei Möglichkeiten:

  1. Positive Entwicklung des Dax
    Die kommenden zwei Stunden verlaufen genau so, wie der Trader es vorhergesagt hat. Aufgrund positiver Meldungen aus der Automobilbranche steigt der Dax um zwei Prozent an. Folglich landet die binäre Option im Geld. Weil der Trader einen guten Broker gewählt hat, erhält er eine Rendite von 89 Prozent, also 178 Euro. Hätte er einen ETF gekauft, der den Dax nachbildet, wären es lediglich 4 Euro gewesen.
  2. Negative Entwicklung des Dax
    Natürlich kann es ebenso gut vorkommen, dass sich der Dax anders entwickelt als erwartet. Fällt der Dax in den kommenden Stunden um zwei Prozent, verliert der Trader sein komplettes Kapital, das er investiert hat. Ein Totalverlust von 100 Prozent steht somit zu Buche. Hätte der Anleger einen ETF gekauft, wären es lediglich 2 Prozent gewesen.

Aus dem obigen Beispiel werden Chancen und Risiken des Handels mit binären Optionen deutlich. Bei korrekter Prognose sind binnen kürzester Zeit hohe Rendite möglich, gleichzeitig kann aber auch das komplette Kapital verloren sein, das eingesetzt wurde.

5 Tipps für den Handel mit binären Optionen

Der Handel mit binären Optionen bedarf einiger Übung, bevor Anleger viel Rendite erzielen. Die folgenden Tipps helfen dabei, den Einstieg in das Trading zu schaffen.

  1. Risiko absichern
    Bei einigen Brokern ist es möglich, eine Verlustbegrenzung einzuführen. Dann erhalten Trader zwischen 10 und 60 Prozent des eingesetzten Kapitals zurück, wenn ihre Prognose falsch ist. Gleichzeitig wird die maximal zu erzielende Rendite begrenzt. Besonders Anfängern ermöglicht das, zu Beginn mit deutlich geringerem Risiko zu traden.
  2. Geringe Investitionen pro Position
    Es ist wichtig, beim Handel mit binären Optionen auf ein klares Risikomanagement zu setzen. Dazu zählt es auch, nicht das komplette Kapital in eine Position zu investieren – erscheine sie auch noch so sicher. Zwischen 1 und 3 Prozent des Handelsvolumens sollten maximal pro Order gesetzt werden. So lassen sich auch kleinere Negativläufe leicht überstehen.
  3. Fokussierung auf fünf Basiswerte
    Trader können nicht zu jedem Handelswert alle Informationen analysieren und auswerten. Zu groß ist die Flut an Daten, die täglich auf Anleger zuströmt. Daher ist es äußerst sinnvoll, sich Expertenwissen für maximal fünf Basiswerte anzueignen – zumindest zu Beginn der Handelstätigkeit. Insbesondere empfehlen sich dabei bekannte Assets wie etwa der Dax oder der Dow Jones. Auch über viel gehandelte Rohstoffe wie Öl lassen sich im Internet zahlreiche Ratgeber und Anleitungen für den Handel finden.
  4. Rendite maximieren
    Die Rendite, die Anleger beim Handel mit binären Optionen erzielen, hängt maßgeblich vom gewählten Broker ab. Dieser entscheidet darüber, wie viel Kapital bei korrekter Kursvorhersage an Trader ausgeschüttet wird. Zwischen 80 und 90 Prozent sind auf dem Markt üblich. Anleger sollten dabei selbstverständlich möglichst einen Broker wählen, der hohe Renditen ermöglicht.
  5. Demokonto nutzen
    Fast alle Broker bieten ihren Kunden mittlerweile kostenlose Testkonten an. Diese stehen über einen unbegrenzten Zeitraum zur Verfügung und sind mit virtueller Währung ausgestattet. Anfänger können so ohne Risiko mit dem Trading beginnen. Professionelle Trader nutzen die Konten, um neue Strategien zu testen und ihr Fachwissen zu erhöhen.
  6. Vom Social Trading profitieren
    Der Trend des Social Trading oder auch Copytrading ist noch vergleichsweise neu. Trader folgen dabei anderen Tradern und können deren Handelspositionen automatisch kopieren. Dadurch sollen vor allem Anfänger vom Know-how erfahrener Anleger profitieren können. Neben finanziellen Profiten ergeben sich für unerfahrene Trader auch Lerneffekte. Sie können genau nachvollziehen, warum der erfahrene Profi welche Positionen eröffnet hat. Zudem ermöglichen es viele Anbieter, innerhalb der Community über aktuelle News oder Handelsstrategien zu diskutieren.
  7. Fundierte Strategien nutzen
    Damit der Handel mit binären Optionen nicht zur Finanzwette verkommt, sollten Anleger ausgereifte Strategien entwickeln. Diese sollten auf wichtigen Handelssignalen und Indikatoren beruhen. Anleitungen sowie Tipps und Tricks hierzu finden Anleger entweder im Internet oder bei ihrem Broker.

Erweiterungen des klassischen Handels

Aufgrund ihrer großen Beliebtheit sind mittlerweile nicht mehr nur klassische Put- und Call-Optionen verfügbar. Das Portfolio im Bereich der binären Optionen wurde um einige Handelsarten erweitert, die Anleger kennen sollten:

  • One-Touch-Handel
    Fast alle Anbieter für binäre Optionen haben den sogenannten One-Touch-Handel im Programm. Das Prinzip beim Ein-Treffer-Handel, wie die Handelsart auf Deutsch heißt, ist simpel: während der Laufzeit der Option muss ein bestimmter Zielkurs zumindest kurzfristig erreicht werden. Das senkt für Trader das Risiko, mit ihrer Position nicht im Geld zu landen. Schließlich ist nicht mehr der Fälligkeitszeitpunkt von Bedeutung, sondern die komplette Laufzeit. Der One-Touch-Handel ist ebenfalls sowohl für fallende als auch für steigende Kurs verfügbar. Die maximal zu erzielenden Renditen liegen zwischen 65 und 85 Prozent.
  • High-Yield-Optionen
    Bei klassischen binären Optionen sind Renditen von maximal 90 Prozent zu erzielen. Einige Anbieter ermöglichen im One-Touch-Modus deutlich höhere Gewinne von bis zu 400 Prozent. Allerdings gilt auch hier wieder die klassische Börsenweisheit: „Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko!“ Bei High-Yield-Optionen liegt der zu erreichende Kurs deutlich stärker über bzw. über dem aktuellen Kurs als bei klassischen One-Touch-Optionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die binäre Option im Geld landet ist damit vergleichsweise gering. High-Yield-Optionen eignen sich aber besonders in volatilen Marktphasen, um hohe Renditen mitzunehmen. Das Verlustrisiko des Anlegers wird ausdrücklich nicht höher. Er kann immer noch maximal so viel Kapital verlieren, wie er ursprünglich eingesetzt hat.
  • Range-Handel
    Über viele Handelsplattformen ist es außerdem möglich, den sogenannten Range-Handel zu betreiben. Der Trader bestimmt dabei einen Korridor für den Kurs des Basiswerts. Anschließend entscheidet der Anleger, ob sich der Kurs zum Fälligkeitszeitpunkt der Option außerhalb oder innerhalb dieses Korridors befindet. Bei korrekter Prognose können Renditen zwischen 65 und 85 Prozent erwirtschaftet werden. Es ist zudem möglich, den Range-Handel als High-Yield-Option abzuschließen. Dann sind wiederum Gewinne von mehreren hundert Prozent möglich.
  • Turbooptionen
    Eigentlich funktionieren Turbooptionen genau wie herkömmliche binäre Optionen. Der einzige Unterschied besteht in der Laufzeit: Turbooptionen werden bereits nach einer Laufzeit von 60 Sekunden bis 5 Minuten wieder geschlossen. Das soll Tradern besonders in volatilen Marktphasen ermöglichen, hohe Gewinne mitzunehmen.
  • Frühzeitige Beendigung
    Der Orderzusatz der frühzeitigen Beendigung einer binären Option dient dazu, erzielte Gewinne mitzunehmen. Angenommen, eine Position befindet sich aktuell im Geld. Der Trader geht allerdings stark davon aus, dass das zum Fälligkeitszeitpunkt nicht mehr der Fall sein wird. Durch die Early-Closure-Funktion kann er dann zum jetzigen Zeitpunkt für einen Verkauf der binären Option sorgen. Dadurch erhält der Anleger zwar nicht die maximale Rendite aber immerhin einen Teil.
  • Verlängerung
    Auf der anderen Seite ist es auch möglich, die Laufzeit von binären Optionen zu verlängern. Das ergibt immer dann Sinn, wenn die Positionen aktuell nicht im Geld ist und der Trader davon ausgeht, dass das kurz nach Ende der Laufzeit der Fall wäre. Die Verlängerung senkt allerdings ebenfalls die maximal zu erzielende Rendite. Dafür bewahrt die Funktion Trader in vielen Fällen vor dem Verlust ihres Kapitals.

Fazit: Transparentes Finanzprodukt mit Chance und Risiko zugleich

Binäre Optionen sind Finanzderivate, die auf steigende oder fallende Kurse eines Basiswerts setzen. Anleger profitieren dabei von hohen Renditen und dem leicht zu verstehenden Finanzprodukt. Gleichzeitig ist das Risiko beim Handel mit binären Optionen sehr hoch: bei fehlerhafter Vorhersage der Kursentwicklung droht fast immer der Totalverlust. Anleger sollten daher zunächst mit kleineren Beträgen handeln, sich auf einzelne Basiswerte fokussieren und zum Einstieg am besten virtuelle Demokonten nutzen.

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Inhaltsverzeichnis:

Die bekanntesten Volumenoszillatoren in der technischen Analyse sind der Percentage Volume Oscillator (PVO) und der Chaikin-Oszillator. Volumenanalyse wird von technischen Analysten verwendet, um die Stärke der Preisbewegung zu bestimmen, da einige glauben, dass der Preis dem Volumen folgt. Wenn beispielsweise der Kurs einer Aktie steigt, aber das Volumen sinkt, kann dies ein bärisches Signal sein. Auf der Hand, wenn der Preis sinkt und das Volumen steigt, ist es definitiv ein bärisches Zeichen.

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Volumenoszillatoren verwenden häufig die Differenz zwischen zwei gleitenden Volumendurchschnitten, die in einem Histogramm mit einer Nulllinie dargestellt sind. Wenn der Oszillator über der Nulllinie liegt, ist es ein Vorzeichenvolumen, das den aktuellen Preistrend unterstützt. Wenn der Oszillator unter der Nulllinie liegt, bedeutet dies, dass die Lautstärke abnimmt und der aktuelle Trend sich umkehren kann. Volumen wird zusammen mit Preisbewegungen analysiert, um fortlaufende Trends zu identifizieren oder Trends zu finden, die sich ändern können.

Der PVO misst die Differenz zwischen zwei verschiedenen gleitenden Durchschnitten. Am häufigsten werden die 12-Tage- und 26-Tage-Volumen-Exponential-Moving-Averages oder EMAs zusammen mit einer Neun-Tage-EMA dieser Differenz in der Berechnung verwendet. Diese Berechnungen werden in einem Histogramm mit einer Nullpunktlinie aufgezeichnet. Ein PVO-Pegel über der Nulllinie, aber fallend zeigt das Volumen ab. Ein PVO-Pegel unter der Nulllinie, aber ein Anstieg zeigt an, dass das Volumen zunimmt. Der PVO wird mit einer Analyse von Unterstützungs- und Widerstandsbereichen auf einer Kurstabelle kombiniert. Das Durchbrechen eines Unterstützungspegels bei einem positiven PVO ist ein stärkeres Signal, als bei einem negativen PVO-Messwert durchzubrechen. Ein Nachteil bei der PVO-Berechnung ist, dass EMAs ein verzögerter Indikator sind, der Volumenänderungen nur langsam widerspiegeln kann.

Der Chaikin-Oszillator ist ein weiterer technischer Indikator, der die Preisänderungsanalyse mit der Volumenanalyse kombiniert. Der Volumenanalyseteil des Indikators verwendet die Akkumulations- / Verteilungs- oder A / D-Leitung. Der erste Schritt bei der Berechnung der A / D-Linie besteht darin, die Schlusskursposition in Bezug auf den Handelsperiodenbereich zu finden. Ein positiver Wert bedeutet, dass der Schlusskurs näher am Tageshoch liegt, während ein negativer Wert bedeutet, dass der Schlusskurs nahe dem Tiefststand liegt. Dieser Wert wird dann mit dem Handelsvolumen für die Periode multipliziert.

Der Chaikin-Oszillator kombiniert diesen Wert dann mit der gleitenden mittleren Konvergenz / Divergenz (MACD), um einen einzelnen Indikator zu erzeugen. Es gibt Volumen- und Preisunterstützung für den Trend, wenn der Oszillatorwert über Null liegt und das Gegenteil, wenn er unter Null ist. Abweichungen zwischen dem Indikator und der aktuellen Kursbewegung können zu Trendänderungen führen.

Fundamentalanalyse – Grundlagen, Fachbegriffe und Möglichkeiten der Fundamentalanalyse!

Aktiendepot.de-PDF: Tipps und Ideen für Börsenhändler

Fundamentalanalyse ODER technische Analyse oder doch Fundamentalanalyse UND technische Analyse? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen!

Einer Sache auf den Grund zu gehen, ist die menschliche Natur. Deswegen sind die Prinzipien der Fundamentalanalyse nicht nur in der Finanzwelt relevant. Bei der Bewertung von Aktien hat die Fundamentalanalyse eine lange Tradition, aber auch Trades mit Rohstoffen oder Optionen profitieren stets von einer soliden Analyse. Der Einstieg kann Privatanleger durchaus überfordern, dies liegt vor allem an den Fachbegriffen und den Abkürzungen. Deswegen gibt es diesen Ratgeber, der alle Grundlagen der Fundamentalanalyse erläutert. Sie können den Artikel auch als kostenfreies PDF herunterladen .

In diesem Ratgeber erfahren Sie mehr zu folgenden Themen:

Die Glaubensfrage: Technische Analyse oder Fundamentalanalyse?

Die Fundamentalanalyse will den fairen oder angemessenen Preis von Wertpapieren („innerer Wert“, „fair value“) zu ermitteln. Anders als die Chartanalyse basiert sie nicht auf einer Betrachtung von Börsenkursen, sondern auf betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Daten, den sogenannten Fundamentaldaten. Es geht also um viel mehr als um die Aktienanalyse von börsennotierten Aktiengesellschaften, auch Devisen-Trades und Rohstoff-Trades können auf Basis einer Fundamentalanalyse erfolgreich geplant werden.

Die Begründung der Verfechter der Fundamentalanalyse ist denkbar einfach: ohne ein Unternehmen oder ein anderes Asset (z.B. Währungspaar-CFD oder Rohstoff-Future) zu kennen, kann man guten Gewissens einfach nicht in das entsprechende Wertpapier investieren! Damit steht die Fundamentalanalyse in scharfem Kontrast zur technischen Analyse . Diese Herangehensweise an die Analyse konzentriert sich auf Kursverläufe (Chartanalyse) und auf die mathematisch-statistischen Indikatoren (Indikatorenanalyse). In der Praxis kommt dabei meist eine sinnenhafte Kombination dieser beiden Ansätze zum Einsatz. Konkrete betriebs- und volkswirtschaftliche Daten werden von technischen Analysten eher selten beachtet, die theoretische Begründung dafür ist bestechend einfach: in den Kursen und Indikatoren sind die fundamentalen Daten bereits voll berücksichtigt!

Die Fachbegriffe Fundamentalanalyse und Value Investing sind spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts untrennbar verbunden. Vorreiter der fundamentalen Betrachtung von Unternehmen, Wertpapieren und Märkten war dabei der US-Investor Benjamin Graham. Heute steht der Name des US-Investors Warren Buffett fast schon synonym für Fundamentalanalyse und daraus resultierendes, erfolgreiches Value Investing. Charlie Munger, die rechte Hand von Warren Buffet bei Berkshire Hathaway, fasste in einer BBC-Dokumention die Checkliste des Value Investing in nicht mal einer Minute prägnant zusammen. Ganz ohne Kennzahlen und nur auf der Basis unternehmerischen Sachverstandes. Wer Trading einmal von dieser Perspektive betrachtet, bekommt einen ganz frischen Blick. Hier das Zitat im englischsprachigen Original mit deutscher Übersetzung:

„It’s a very simple set of ideas:

1) We have to deal in things that we’re capable of understanding.

2) A business with some intrinsic characteristics that give it a durable competitive advantage.

3) A management in place with a lot of integrity and talent.

4) No matter how wonderful it is, it’s not worth an infinite price, so we have to have a prica, that makes sense!“

„Im Grunde ist es ein ganz einfaches Konzept:

  1. Wir sollten nur mit Produkten handeln, die wir auch wirklich verstehen.
  2. Die wesentlichen Merkmale der Geschäftsidee müssen dauerhafte Wettbewerbsvorteile bieten. 3. Das Management muss wirklich fähig und rechtschaffen sein.
  3. Egal wie toll etwas sein mag – es ist nicht unendlich viel wert. Es muss dafür einen Preis geben, der auch Sinn macht.

Dieses Grundkonzept lässt sich übrigens auch auf Volkswirtschaften, sogar auf ganze Währungsräume, übertragen. Das „Management“ im obigen Beispiel kann dabei durch „Regierungskabinette“ und/oder „Finanzminister der Euro-Zone“ ersetzt werden. Die „Geschäftsidee“ entspricht ungefähr der fundamentalen Qualität und Struktur einer Volkswirtschaft, die entweder für die Herausforderungen der Globalisierung gerüstet ist – oder eben nicht. Auch der Preis von Forex-CFDs oder Getreide-Futures ist nicht beliebig groß, sondern es gibt stets einen sehr klar definierten Rahmen, wie viel für ein derartiges Asset bezahlt werden sollte. Ganz entscheidend bei der Übertragung ist der erste der vier Punkte: nur wer komplexe Finanzderivate wie Optionen oder Futures verstanden hat, sollte in sie investieren beziehungsweise mit ihnen handeln.

Zwischen den Verfechtern der Analyse-Traditionen „fundamentale Analyse“ und „technische Analyse“ herrscht spätestens den 1980er-Jahren eine gesunde Konkurrenz. Damals begann, unterstützt durch den rasanten Ausbau von globalen Kommunikationsnetzwerken, der Siegeszug der technischen Analyse. Dieser Trend wurde durch die Erfindung und Verbreitung des Internet noch einmal potenziert. Für die Mehrzahl der Anleger und Trader ist die Frage „Fundamentalanalyse oder technische Analyse?“ sogar eine quasi-religiöse Angelegenheit, bei der Argumente mit Inbrunst ausgetauscht werden. Schlimmstenfalls geht dabei die Objektivität verloren. In diesem Zusammenhang wird dann die genutzte Methode in den Himmel gelobt und der jeweils andere Ansatz dagegen herabgesetzt. Einigen bereitet diese Grundsatzdiskussion sicher Freude. Allerdings ist sie nicht zielführend. Im Gegenteil. Immer mehr Stimmen werden laut, dass die beiden Analyse-Wege nicht gegeneinander, sondern miteinander genutzt werden müssen, um an den immer stärker vernetzten globalen Finanzmärkten als Anleger mit den eigenen Handelsstrategien bestehen zu können. Werfen wir nun aber zuerst einmal einen Blick auf die Grundannahmen der Fundamentalanalyse!

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Die wichtigsten Grundlagen der Fundamentalanalyse

Die Prinzipien der Fundamentalanalyse lassen sich in drei wichtigen Leitsätzen prägnant zusammenfassen:

  • in den Charts und den Marktbewegungen sind noch nicht alle Daten eingepreist
  • der richtige, faire Preis für ein Asset wird über kurz oder lang erreicht
  • Marktineffizienzen können durch fundamentale Analyse entdeckt und ausgenutzt werden

Verfechter der fundamentalen Analyse verzichten deswegen entweder komplett auf die Analyse von Kursverläufen und Charts oder nutzen die technische Analyse lediglich um den genauen, zeitlichen Einstieg in ein Investment festzulegen. Um Aktien, Währungspaare und Rohstoffe analysieren zu können, braucht es einige grundlegende Fachbegriffe. Anders als bei der technischen Analyse, die mit Asset-übergreifenden Trendmodellen und Indikatoren arbeitet, gibt es bei der Fundamentalanalyse für verschiedene Anlageklassen jeweils andere fundamentale Parameter. Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten vor.

Glossar: deutsche und englische Fachbegriffe der Fundamentalanalyse

Wer sich umfassend über Aktien (englisch: stocks), Währungen (englisch: currencies) und Rohstoffe (englisch: commodities) und die jeweiligen Kennzahlen und Einflussfaktoren informieren will, kommt um eine Recherche im englischsprachigen Raum nicht herum. Deswegen sind alle Kennzahlen und Fachbegriffe nachfolgend auch in der englischen Übersetzung aufgeführt. Dies wird Ihnen die Recherche erleichtern, zum Beispiel bei ausländischen Aktien, in den USA gehandelten Rohstoffen oder bei Währungspaaren aus dem angelsächsischen Raum.

Fundamentalanalyse für Aktien und Indizes: die wichtigsten Begriffe

Aktienrendite und TSR – total shareholder return

Eine wichtige Kennzahl zur Bewertung der Performance von Aktien. Diese Kennzahl ist weiter gefasst als die Dividendenrendite . Die Formel ist: Aktienrendite = (Endaktienkurs – Anfangsaktienkurs) + Dividenden ÷ Anfangsaktienkurs.

Cashflow (auch: Geldfluss, Kassenzufluss) und cash flow

Die entscheidende Kennzahl, um die Liquidität eines Unternehmens innerhalb eines bestimmten Vergleichszeitraums bewerten zu können.

Dividendenrendite und dividend yield

Eine wichtige Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Die Formel ist: Dividendenrendite = Dividende ÷ Aktienkurs * 100 %

Eigenkapital (auch: Eigenmittel) und equity

Unternehmenskapital ohne Rückzahlungsverpflichtung, das Gegenteil von Fremdkapital

EKQ – Eigenkapitalquote und ER – equity ratio

Eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die gleichermaßen entscheidend für Unternehmen und Investoren (z.B. Aktionäre, Anleihen-emittierende Kreditinstitute, Gläubiger, Rating-Agenturen) ist. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Kreditwürdigkeit und Kapitalstruktur einer Aktiengesellschaft in einer einzigen Zahl darstellen. Die Formel ist: Eigenkapitalquote = (wirtschaftliches) Eigenkapital ÷ Bilanzsumme (Gesamtkapital).

Fremdkapital (auch: Fremdmittel) und debt

Unternehmenskapital mit Rückzahlungsverpflichtung, das Gegenteil von Eigenkapital

GKR – Gesamtkapitalrentabilität und ROI – return on investment

Die wohl bekannteste betriebswirtschaftliche Kennzahl überhaupt. Mit ihr lässt sich abbilden, wie effizient der Einsatz von Kapital innerhalb eines bestimmten Vergleichszeitraums war. Die Formel ist: Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ (Eigenkapital + Fremdkapital) * 100 %.

GVZS – Gewinn vor Zinsen und Steuern und EBIT – earnings before interest and taxes

GVZS und EBIT stehen für das operative Ergebnis. Die Berechnung findet dabei nach IFRS statt. Mithilfe dieser weit verbreiteten Kennzahl lässt sich der Gewinn eines Unternehmens in einem bestimmten Vergleichszeitraum darstellen.

Internationale Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmen und International Financial Reporting Standards – IFRS

Die Weltgemeinschaft bemüht sich über das International Accounting Standards Board (IASB) um eine internationale Harmonisierung der Standards für Jahres- und Konzernabschlüsse. Nationale Rechtsvorschriften werden durch das IFRS-Regelwerk nach und nach abgelöst.

KBV – Kurs-Buchwert-Verhältnis und P/B Ratio – price-to-book ratio (auch: P/BV)

Eine Kennzahl des Value Investing, mit der sich die Börsenbewertung einer Aktiengesellschaft beurteilen lässt. Die Formel ist: KBV = Kurs einer Aktie ÷ Buchwert einer Aktie.

KCV – Kurs-Cashflow-Verhältnis (auch: KCF) und P/CF Ratio – price-cash-flow Ratio (auch: PCR, PCF)

Eine Kennzahl, die Kurs und Liquidität in Beziehung setzt. Der Kurs lässt sich leicht ermitteln, beim Cashflow muss dagegen zwischen verschiedenen Varianten unterschieden werden, zum Beispiel Brutto-Cash-Flow, operativer Cash-Flow oder freier Cash-Flow. Die Formel ist: KCV = Kurs einer Aktie ÷ Cashflow je Aktie.

KGV – Kurs-Gewinn-Verhältnis und P/E Ratio – price-earnings ratio (auch: PER, price-earning ratio)

Eine Kennzahl, mit der sich Aktien in einem bestimmten Vergleichszeitraum beurteilen lassen. Die Formel ist: KGV = Kurs einer Aktie ÷ Gewinn einer Aktie.

KKQ – Kernkapitalquote und Core Capital Quota (auch: tier 1 ratio)

Eine Variante der Eigenkapitalquote (equity ratio), die bei Kreditinstituten zum Einsatz kommt .

KUV – Kurs-Umsatz-Verhältnis und P/S Ratio – price-sales ratio (auch: PSR)

Eine Kennzahl, die einen ähnlichen Ansatz verfolgt wie der KGV und bei Unternehmen mit schwankender Umsatzrendite eingesetzt werden sollte. Die Formel ist: KUV = Kurs einer Aktie ÷ Umsatz je Aktie.

Umsatzrendite und ROS – return on sales

Bei der Umsatzrendite wird zwischen Netto-Umsatzrendite und Brutto-Umsatzrendite unterschieden. Die Formeln sind: Netto-Umsatzrendite = Gewinn ÷ Umsatz * 100 % beziehungsweise Brutto-Umsatzrendite = Gewinn vor Steuern ÷ Umsatz * 100 %.

V – Verschuldungsgrad und DER – debt to equity ratio (auch: DER, debt/equity ratio, gearing ratio, leverage ratio)

Eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, in der das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital abgebildet wird. Aus ihr lassen sich Informationen über die Finanzierungsstruktur des Unternehmens ablesen. Beim Verschuldungsgrad wird zwischen nicht-dynamischem Verschuldungsgrad und dynamischem Verschuldungsgrad unterschieden. Die Formeln sind: Verschuldungsgrad = Fremdkapital ÷ Eigenkapital beziehungsweise dynamischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital ÷ Cashflow

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Fundamentalanalyse für Währungen und Währungspaare: die wichtigsten Begriffe

Das Angebot und die Nachfrage nach Währungen (z.B. EUR oder USD), jeweils abgebildet in Währungspaaren (z.B. EUR/USD), ist nicht nur der Psychologie an den Märkten geschuldet. Die Kursentwicklung ist erst recht kein Zufallsprodukt, sondern ruht im Wesentlichen auf sechs Säulen:

Wer sich bei Planung und Analyse eines Forex-Trades – egal ob technisch oder fundamental analysiert wird – auf die Analyse des Devisenmarktes (Forex-Markt) selbst beschränkt, greift also mindestens fünf Schritte zu kurz. Die sechs Säulen bestehen wiederum aus sehr vielen einzelnen Komponenten, die untereinander zum Teil sehr erhebliche Wechselwirkungen haben. Nachfolgend sind einige sehr relevante Faktoren aufgelistet:

  • allgemeine konjunkturelle Entwicklung
  • Entwicklung der Exporte und Import bedeutender Volkswirtschaften
  • Handelsbilanzen einzelner Länder
  • Geldpolitik der Notenbanken
  • politisch gewünschte, künstliche Eingriffe der Notenbanken
  • aktuelle Daten und Prognosen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)
  • aktuelle Daten und Prognosen zu den Arbeitsmärkten
  • Leistungsbilanzüberschüsse und Leistungsbilanzdefizite innerhalb der EU

Um diese komplexe Ausgangssituation mit einer sehr hohen Zahl von Variablen analytisch in den Griff zu bekommen, greift die Fundamentalanalyse zu drei theoretischen Modellen rund um die Parität (ausgewogenes Verhältnis, Gleichstellung, Gleichsetzung):

Kreuzparität und cross rate

Die Entwicklung eines Währungspaars kann indirekt, aber sehr stark, durch ein weiteres Währungspaar beeinflusst werden. Ein gegenüber dem Euro erstarkender Yen (dargestellt in EUR/JPY) beeinflusst so beispielsweise die Entwicklung im Währungspaar EUR/USD und führt in der Regel auch hier zu einem schwächeren Euro.

KKP – Kaufkraftparität und PPP – purchasing power parity

Die Theorie der Kaufkraftparität ist eine wichtige Herangehensweise aus der Volkswirtschaft und gehört dort zum Bereich der makroökonomischen Analyse . Verglichen werden entweder mindestens zwei Länder im gleichen Währungsraum (z.B. Deutschland und Frankreich) oder mindestens zwei Länder in unterschiedlichen Währungsräumen (z.B. Deutschland und Kanada). Im ersten Szenario liegt Kaufkraftparität vor, wenn Waren und Dienstleistungen eines definierten Warenkorbes für gleich hohe Geldbeträge erworben werden können. Im zweiten Szenario müssen die Geldbeträge erst durch die Umrechnung über Wechselkurse vergleichbar gemacht werden. Wenn die unterschiedlichen Währungen dabei die identische Kaufkraft haben, herrscht Kaufkraftparität vor und der nominale Wechselkurs entspricht dem realen Wechselkurs.

Zinsparität und interest rate parity

Die Theorie der Zinsparität ist ebenfalls ein bewährtes volkswirtschaftliches Analyse-Modell, sie ist allerdings älter als die Theorie der Kaufkraftparität. Die Zinsparitätstheorie geht auf John Maynard Keynes zurück. Über seine Theorie lässt sich zufällig wirkendes Anlegerverhalten zumindest teilweise besser erklären. Diese Theorie erklärt Wechselkursschwankungen dabei in erster Linie mit den Wanderungen von Kapitalanlegern: diese zieht es immer dorthin, wo die attraktivste Rendite erwirtschaftet werden kann. In der Theorie wird dabei zwischen gedeckter Zinsparität (englisch: covered interest rate parity) und ungedeckter Zinsparität (englisch: uncovered interest rate parity) unterschieden. Hier erfahren Sie mehr zu diesem Ansatz , mit dem sich kurzfristige Wechselkursbewegungen am Devisenmarkt erklären lassen.

Fundamentalanalyse für Rohstoffe: die wichtigsten Begriffe

Die Preisentwicklungen von Rohstoffen – egal ob Edelmetalle (z.B. Gold), Nichtedelmetalle (z.B. Uran), Lebensmittel (z.B. Getreide) oder Energie (z.B. Rohöl) – beruht natürlich auf Angebot und Nachfrage. Hier gilt also das gleiche Grundprinzip wie bei Gütern oder Wertpapieren. Die Hintergründe für Kursentwicklungen sind allerdings eher so komplex wie bei Währungen und Wechselkurse. Angebot und Nachfrage nach Rohstoffen werden zum Beispiel bestimmt durch:

  • das Einkaufsverhalten von industriellen Marktführern
  • das Verkaufsverhalten von wichtigen Produzentenländern
  • die insgesamt, wachsende globale Nachfrage durch das Wachstum in Schwellenländern
  • die Transaktionen von Hedgefonds und Investmentbankern
  • die Währungsentwicklungen von Leitwährungen wie dem USD und den Wechselkursen in Währungspaaren wie USD und EUR
  • den von Menschen verursachten Klimawandel
  • natürliche, klimatische Veränderungen im Jahresverlauf
  • das Auftreten von Krankheiten in Nutztierbeständen
  • die Handelspolitik einflussreicher Staaten
  • die Verabschiedung beziehungsweise Nicht-Verabschiedung von Freihandelsabkommen
  • den Aufbau und Abbau von Exportschranken
  • die Anwendung oder Aufhebung von Strafzöllen auf begehrte Rohstoffe
  • politische Unruhen in einem Schlüsselland für ein bestimmtes Produkt (Uran aus Kasachstan stellt beispielsweise mehr als 30 % des Weltmarktes)
  • den wissenschaftlichen Fortschritt beim Ersatz von endlichen Naturrohstoffen durch künstlich erzeugte Rohstoffe (aus der Asche von Kohlekraftwerken kann beispielsweise mittlerweile Uran gewonnen werden)

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Grundlagen der Fundamentalanalyse: Jede Analyse ist stets Interpretation!

Die Fundamentalanalyse ist allein schon aufgrund der je nach Asset sehr unterschiedlichen Kennzahlen deutlich weniger anpassungsfähig als ihr Gegenmodell, die technische Analyse. Selbst ein erfahrenen „Fundamentalist“ tut sich bei der Einarbeitung in einen neuen Markt anfangs also schwer. Die technische Analyse kann, als Asset-unabhängige Methode, dagegen vom interessierten Anleger vergleichsweise schnell auf neue Märkte übertragen werden.

Beide Methoden der Analyse haben allerdings etwas gemeinsam: jede Analyse ist stets Interpretation, es gibt also keine unumstößlichen Wahrheiten. Zu diesem Interpretationsspielraum gehören, ganz unvermeidlich, auch Fehleinschätzungen. Während die technische Analyse grundsätzlich sehr anfällig für unsaubere Detailarbeit ist, verzeiht die fundamentale Analyse kleinere Fehler besser, auch weil der Anlagehorizont von Value Investoren in der Regel langfristiger ist. Die wissenschaftliche Validität der Fundamentalanalyse ist mittlerweile umstritten. Hier ergeht es diesem über lange Jahre als unumstößlich angesehenen Denkansatz also nicht mehr nicht besser als der schon immer stärker kritisierten technischen Analyse. Sowohl die technische Analyse als auch die Fundamentalanalyse kollidieren mit neueren Finanzmarkttheorien wie der „Effizienzmarkthypothese“ und dem „Random Walk“. Diese Theorien sind allerdings auch selbst zum Teil durchaus umstritten.

Möglichkeiten und Grenzen der Fundamentalanalyse

Die Frage „Technische Analyse oder Fundamentalanalyse?“ kann nicht im luftleeren Raum beantwortet werden. Die richtige Antwort hängt in erster Linie von Ihrer Ausrichtung als Privatanleger ab. Je kurzfristiger Sie investieren, desto mehr können Sie die technische Analyse miteinbeziehen. Je langfristiger Sie planen, desto mehr sollten Sie sich auf die Fundamentalanalyse verlassen. Beide Ansätze sind übrigens keine absoluten Wahrheiten, sondern nur Bezugssysteme, finanzielle Weltanschauungen. Manche würden sagen: einfach nur Theorien! Genau verhält es sich mit dem aktuellen Trend „Behavioral Finance“, der Verhaltensökonomik . Verfechter dieses Ansatzes zweifeln übrigens sowohl an der Validität der technischen Analyse als auch an der Gültigkeit der Fundamentalanalyse.

Diese allgegenwärtige Unsicherheit zwischen verschiedenen „Glaubensrichtungen“ und unbewiesenen Theorien müssen Sie als Wertpapierhändler aushalten können, denn schon die „normale“ Welt besteht aus Unschärfen und Unsicherheiten. Diese sind die Regel und nicht die Ausnahme. Auf die globalen Finanzmärkte trifft diese Verschwommenheit (englisch: fuzziness) in besonderem Maße zu, denn diese Systeme sind komplex und die Datenlage ist unbestimmt. Dennoch müssen aktive Privatanleger auf dieser Basis tagtäglich möglichst gute Entscheidungen treffen.

Wer sich näher mit den Möglichkeiten und Grenzen der Fundamentalanalyse beschäftigen möchte, dem legen wir die Erkenntnisse des polnisch-schweizerischen Mathematikers Edward Kofler nahe. Er hat sich besonders intensiv mit der Spieltheorie und der Fuzzy-Logik beschäftigt und daraus die Theorie der linearen partiellen Information erarbeitet. Mit Hilfe dieser Theorie solle es gelingen praxisnahe Entscheidungen zu treffen, trotz der allgegenwärtigen Unschärfe der Daten- und Informationslage. Sehr interessant könnte für den ambitionierten Privatanleger auch der wissenschaftliche Beitrag „Financial markets analysis by using a probabilistic fuzzy modelling approach“ (Jan van den Berg , Uzay Kaymak, , Willem-Max van den Bergh) sein. Hier finden Sie eine inhaltliche Vorschau und können bei Interesse das PDF kostenfrei ansehen und herunterladen.

7 wichtige Fachbücher zur Fundamentalanalyse

1) Ein exzellenter Einstieg in das Thema Fundamentalanalyse ist ein Standardwerk von 1949, „ The Intelligent Investor „, verfasst von Benjamin Graham. Wer sich auch für die historische Entwicklung der Fundamentalanalyse interessiert, kann alternativ auch schon mit Grahams erstem Werk, „ Security Analysis “ aus dem Jahr 1934 starten.

2) 2020 ist Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse: Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen von Nicolas Schmidlin erschienen. Das Buch hat, wenn man den sehr guten Rezensionen Glauben schenken darf, durchaus das Potential zu einem deutschsprachigen Klassiker für den Einstieg in die Fundamentalanalyse zu werden.

3) Nicht ganz billig in der Anschaffung, dafür aber besonders lesenswert, ist der Geheimtipp Fundamentalanalyse im Portfoliomanagement: Konjunkturindikatoren verstehen und analysieren von Conrad Mattern . Dieses Buch verknüpft Theorien aus der Fundamentalanalyse mit praktischen Strategien aus dem Portfoliomanagement zu einem wirkungsvollen Gesamtkonzept.

4) Wer ausreichende mathematische Vorkenntnisse hat, sollte in einer gut sortierten Fachbuchhandlung einmal einen Blick in Fundamentale Analyse von Jack D Schwager werfen. Es gibt von diesem Autoren auch noch weitere Bücher aus der Serie „Schwager on Futures“.

5) Das Unternehmen RBS RoeverBroennerSusat, eine mittelständische Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft aus Deutschland, betreibt die sehr hilfreiche Webseite IFRS-Portal. Dort sind zahlreiche Informationen zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und den International Accounting Standards (IAS) hinterlegt. Auf dem IFRS-Portal gibt es auch einen eigenen Bereich, in dem relevante und aktuelle Fachbücher zu den Themen IFRS und IAS empfohlen werden.

6) Mit seinem Wegweiser für Investoren zur Analyse des deutschen Aktienmarktes: Führt die Fundamentalanalyse oder die Technische Analyse zur höheren Rendite? unternimmt der junge, österreichische Autor Clemens Liepert einen mutigen Versuch. Das 2020 veröffentlichte Buch nähert sich der Antwort auf die Glaubensfrage „Fundamentalanalyse oder technische Analyse?“ auf Basis von zahlreichen ausgewerteten Studien an.

7) Die Versöhnung von Fundamentalanalyse und technischer Analyse scheint ein wichtiger Trend zu sein. Kein Wunder eigentlich, kommen doch beide Methoden durch die Erkenntnisse der Behavioral Finance aktuell stark unter Druck. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die englischsprachige Dissertation von Ute Bonenkamp: Combining Technical and Fundamental Trading Strategies: Profits, Market Reactions, and Use by Professional Investors.

7 Experten, die auf YouTube aktiv sind

1) In Deutschland ist der offizielle YouTube-Kanal „Talks at Google“ noch überraschend wenig bekannt, dabei ist er schon seit 2005 auf Sendung. Wir empfehlen gerne diesen Geheimtipp , denn hier gibt es sehr regelmäßig aktuelle und relevante Beiträge zur Fundamentalanalyse. Es diskutieren zum Beispiel John Heins und Whitney Tilson über „The Art of Value Investing“ und Tobias Carlisle referiert über „Deep Value Investing„.

2) Sehr aufschlussreich ist sicher auch die BBC-Dokumentation „ Warren Buffett: The World’s Greatest Money Maker “ über die Value-Investing-Legende Warren Buffett. Dem Reporter Evan Davis ist es sehr gut gelungen, die vielschichtige Persönlichkeit des Investors von allen Seiten zu beleuchten, natürlich kommt auch Buffett selbst zu Wort.

3) Eniteo.de, das Derivateportal der DZ Bank, hat einen YouTube-Kanal . Anders als bei vielen anderen Brokern und Banken, die voll und ganz auf die technische Analyse setzen, wird hier auch regelmäßig der Fundamentalanalyse Raum gegeben. Es geht beispielsweise um Themen wie „ Fundamentalanalyse – Null-Zinsen, Aktienboom und sinkende Inflationsrate. Ist wirklich alles gut ?„.

4) Von sehr unterschiedlicher Qualität sind die Beiträge auf TradimoDE, dem YouTube-Kanal der Trading-Plattform tradimo.de . Das liegt in erster Linie daran, dass an dieser „kostenlosen Trading-Schule“ verschiedene Börsen-Experten mit unterschiedlichen Hintergründen und unterschiedlichen Erfahrungshorizonten unterrichten. Eine gezielte Suche nach aktuellen, häufig gesehenen Beiträgen und/oder sehr gut bewerteten Kurz-Videos zur Fundamentalanalyse lohnt sich, gerade für Trading-Anfänger, hier aber in jedem Fall.

Die Zahl der Experten und Anbieter, die zum Thema „Fundamentalanalyse“ auf YouTube und anderen Videoportalen vertreten sind, ist leider deutlich geringer als die Zahl der Experten zur Technischen Analyse. Das liegt unter anderem daran, dass die Fundamentalanalyse mehr Wissen, einen fundierten betriebswirtschaftlichen Hintergrund und Verständnis für größere Zusammenhänge erfordert. Deswegen lässt es sich leider nicht vermeiden, nachfolgend einige gute YouTube-Kanäle von Online-Brokern zu empfehlen. Es besteht kein Interessenkonflikt bei aktiendepot.de, denn die Testergebnisse zu einzelnen Brokern wurden und werden durch die nachfolgenden Empfehlungen zu keinem Zeitpunkt beeinflusst.

5) Hier geht es zum YouTube-Kanal von LYNX. Sehr gut geeignet für den Einstieg sind dabei die beiden jeweils rund 1-stündigen Webinare von Dirk Friczewsky, die hier und hier abgerufen werden können. Wenn Sie wissen möchten, wie der Broker LYNX im großen Depot-Test der Aktiendepot-Redaktion abgeschnitten hat, klicken Sie bitte hier .

6) Hier finden Sie den YouTube-Kanal von XTB Deutschland. Mindestens sehenswert ist dort die mehrteilige Serie „Fundamentalanalyse vs. Chartanalyse – Halver vs. Oldenburger“.

7) Hier geht es zum YouTube-Kanal des Online-Brokers Admiral Markets. Für den Einstieg empfehlen wir das rund 1-stündige Video „Fundamental analysis“ von Nenad Kerkez . Die Sprachqualität ist leider schlecht, die Inhalte sind allerdings höchst interessant. Wenn Sie wissen möchten, wie Admiral Markets im großen Depot-Test der Aktiendepot-Redaktion abgeschnitten hat, klicken Sie bitte hier .

7 gute Webseiten zum Thema „Fundamentalanalyse“

1) Auf den Servern der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) gibt es einige hoch interessante Vorlesungsskripte aus höheren Semestern, zum Beispiel zu Themen wie „ Fundamentalanalyse “ und „ Unternehmensbewertung „. Diese Dokumente können als PDF-Dateien online abgerufen werden. Wir empfehlen einen Download, denn es ist nicht garantiert, dass diese Inhalte auf Dauer verfügbar sind.

2) AKTIENKAUFEN.COM ist eines unserer Partnerportale. Dort gibt es 7 aufeinander aufbauende Lektionen zur Fundamentalanalyse . Besprochen werden entscheidende Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, EBIT, EBITDA und Jahresüberschuss, aber auch spannende Diskussionsthemen wie „Small Caps versus Large Caps“ werden ausführlich behandelt.

3) Seit 2005 bieten die Wiener Börse Akademie und das WIFI Management Forum in enger Kooperation jedes Jahr viele hochinteressante Seminare an. Auch die Fundamentalanalyse spielt im kostenpflichtigen Kursangebot eine wichtige Rolle. Behandelt werden Themen wie „Volkswirtschaftliche Kennzahlen und deren börsenrelevante Interpretation“, „Frühwarnindikatoren“ oder „Erfolgsorientierte Unternehmensbewertung (DCF)“.

4) Auch bei den Webseiten-Empfehlungen zur Fundamentalanalyse empfehlen wir gerne das IFRS-Portal der mittelständischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft RBS RoeverBroennerSusat. Die auf diesem Fachportal veröffentlichten Informationen helfen Ihnen als aktivem Privatanleger dabei, die Bilanzen und Bilanzierungspraktiken von deutschen, europäischen und international operierenden Aktien- und Kapitalgesellschaften besser und effizienter zu durchschauen. Dies ist sehr entscheidend, denn alle Kennzahlen der Fundamentalanalyse basieren natürlich auf den Daten aus der Bilanz.

5) Die Recherche in den Geschäftsberichten und Bilanzen von Unternehmen ist zeitaufwändig und nur vergleichsweise wenige Unternehmen kommen letztendlich überhaupt für ein Investment in Frage. Bei der Vorauswahl von geeigneten Kandidaten für eine eingehendere Fundamentalanalyse hilft die Webseite der Frankfurter Börse. Hier sind die Fundamentaldaten von Unternehmen über lange Zeiträume abrufbar.

6) Einen noch weiteren Blick in die Vergangenheit von Unternehmen erlaubt im deutschsprachigen Raum nur die Börsen-Plattform ariva.de. Die historischen Kurse können hier sogar heruntergeladen werden. Dadurch können sie zum Beispiel für das Back Testing und die Analyse von historischen Volatilitätswerten genutzt werden.

7) Ähnlich hilfreich wie ariva.de ist onvista.de. Da auf aktiendepot.de objektiv verglichen und Online-Broker realistisch getestet werden, wollen wir nicht verschweigen, dass dieser Anbieter auch als Bank und Brokerhaus tätig ist. Hervorgegangen ist dieses Geschäftsmodell aus dem genauso übersichtlichen wie erfolgreichen Finanzportal .

Unser Fazit zur Fundamentalanalyse

  1. Fundamentalanalyse: seit den 1980er-Jahren verliert diese Methode an Boden
  2. Technische Analyse vs. Fundamentalanalyse: beide haben Ihre Wurzeln in 1920er-Jahren
  3. Fundamentalanalyse (PDF):Hier klicken, um diesen Ratgeber herunterzuladen
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